»Schletter«Forschungsbericht

Forschungsbericht, Master
Dozenten > PROF. KILIAN STAUSS
16.10.2013


Die Energiewende wird das bestimmende Thema für die nächsten Jahrzehnte sein, auch für gestaltende Berufsfelder wie die Innenarchitektur. Die Erzeugung regenerativer Energien, die Reduzierung des Energieverbrauchs gerade von atomar erzeugter Energie (bis hin zum Verzicht) sind Aufgaben von großer Tragweite. Führende Volkswirtschaftler gehen davon aus, dass nur mit einer erfolgreichen Energiewende die wirtschaftliche Bedeutung Mitteleuropas erhalten werden kann und führende Sozialwissenschaftler sprechen davon, dass die Generationengerechtigkeit sowie die Verteilung von Ressourcen in der Gesellschaft nur so verbessert werden wird. Die Energiewende betrifft jedoch nicht nur die privaten Haushalte und die Produktions- und Arbeitstätten in einer Gesellschaft, sondern zunehmend auch den öffentlichen Raum. Wenn wir die individuelle Mobilität weg von fossilen Brennstoffen hin zu elektrischer Energie entwickeln wollen (Elektroautos, Pedelecs, Elektroroller), dann müssen im öffentlichen Raum Auflade- und Parkmöglichkeiten für diese Fahrzeuge angeboten werden. Elektrischer Strom war jedoch bisher eine Ressource, die man aus Gründen des unkontrollierten Verbrauchs und der damit verbundenen Kosten sowie aus Gründen der Sicherheit nicht überall bereitstellen wollte. Dies wird sich ändern müssen, denn Bewohner und Besucher von Städten tragen mittlerweile eine Vielzahl von elektrischen Geräten bei sich, die immer wieder der Aufladung bedürfen (Mobiltelephone, laptops, Digitalkameras, Tablet-PC´s). Dazu kommen die schon erwähnten elektrisch angetriebenen Individualverkehrsmittel. Wir werden nicht davon ausgehen können, dass alle diese Geräte in Zukunft nur zu Hause oder am Arbeitsplatz aufgeladen werden können. Also eine Stromtankstelle? Eher nicht, hier wird nur das Relikt der Tankstelle für fossile Brennstoffe als Bild bemüht. Diese war der Ort, an dem teure, hochexplosive flüssige oder gasförmige Brennstoffe verkauft wurden. Der Kontakt mit diesen Brennstoffen war unangenehm (Gerüche) und beim Kontakt mit der Haut, den Augen oder den Atemwegen gesundheitsschädlich. Das Tanken fossiler Brennstoffe ist deswegen ein Vorgang, den man in so kurzer Zeit wie möglich durchführen will. Die Tankstelle für fossile Brennstoffe entwickelte sich deswegen nicht als Ort mit Aufenthaltsqualitäten. Eine Aufladestelle für elektrische Energie hat ganz andere Grundvoraussetzungen: Erstens ist elektrische Energie an fast jeder Stelle einer Stadt verfügbar, da von einem hundertprozentigen Netzausbau auszugehen ist. Die Aufladestellen können also theoretisch überall errichtet werden. Zweitens ist elektrische Energie für Haut, Augen und Atemwege nicht gesundheitsschädlich. Drittens benötigt das Aufladen von Akkus Zeit, die Aufladestelle muß also für ihre Nutzer Aufenthaltsqualitäten bieten. Viertens ist elektrische Energie multifunktional. Man kann damit nicht nur Fahrzeuge aufladen, sondern jede Art von elektrischen Geräten mit einem Akku. Fünftens können an einer solchen Stromabgabestelle auch elektrische Verbraucher ohne Akkus betrieben werden. Und sechstens kann der benötigte Strom auch gleich an der Stromabgabestelle selbst regenerativ erzeugt und für einen zeitverzögerten Verbrauch gespeichert werden. Das Forschungsprojekt »Public Design für die Energiewende« wurde an der Hochschule Rosenheim, Fakultät Innenarchitektur, Fachgebiet Interior Design, in Zusammenarbeit mit der Schletter GmbH, Haag i. Obb., unter der Leitung von Prof. Kilian Stauss im Wintersemester 2012/2013 mit sieben Studierenden des Masterstudienganges Innenarchitektur durchgeführt, die ihre Konzeptionen und Entwürfe bis hin zu maßstäblichen Modellen und Prototypen entwickelten.

 
MEDIEN:
Masterprojekt_Schletter_WS_2012_2013_2.pdf