»Polyeder«Plakat


Dozenten > PROF. KILIAN STAUSS
11.05.2015


Systeme bestehen aus Elementen und Modulen, die zu einer größeren Einheit gruppiert werden. In der Gestaltung haben Systeme seit der Moderne einen hohen Stellenwert, da durch die Verwendung möglichst weniger, aber universeller Bauteile mit immer gleichen Verbindungen eine hohe Effizienz in Produktion und Zusammenbau erzielt werden kann (geringe Systemtiefe). Wenn sich gleichzeitig mit diesen wenigen Elementen eine Vielzahl unterschiedlicher Strukturen bauen lässt, dann besitzt das System eine hohe Variabilität (Systembreite). Ein möglichst hoher Quotient aus Variabilität und Teiletypenanzahl (Systembreite zu Systemtiefe) ist ein guter Gradmesser für die Effizienz eines Systems. Im industriellen Bauen und im Möbel- und Produktdesign bewähren sich effiziente Systeme, da der Aufwand von Produktion, Lagerhaltung, Transport,
Aufbau und Wartung gering ist. Im ersten Semester des Bachelor-Studienganges Innenarchitektur werden die Studierenden im Fach »Interior Design« mittels einer Vorlesung über Polyedergeometrie sowie über platonische, archimedische und catalanische Körper an komplexe, aber system­orientierte Raumgeometrien herangeführt und dürfen zu diesen theoretischen Erkenntnissen mit dem Bau von Modellen eigene Erfahrungen sammeln. Dabei stehen zuerst selbsttragende Schalenkonstruktionen aus Papier im Vordergrund, die die Studierenden an Aspekte des Leichtbaus und der Energieeffizienz heranführen. In einem späteren Projektschritt werden die Erfahrungen aus den Papiermodellen auf Stab-Knoten-Systeme in anderen Materialien übertragen, die deutlichere Analogien zu bekannten Bauprinzipien in Architektur und Möbeldesign liefern. Die Studierenden sind während diesen Grundlagenübungen der Gestaltung immer wieder erstaunt, wie leicht sich bei systematischem Vorgehen auch komplizierte Strukturen bauen lassen. Auf diese Erkenntnisse und Erfahrungen soll im weiteren Studium aufgebaut werden. Es zeigt sich immer wieder, dass ein systematisches Vorgehen der gewünschten Individualität der Gesamtlösung nicht im Wege steht. Die dargestellten Projekte wurden von Prof. Kilian Stauss betreut.
 
MEDIEN:
polyeder.pdf