2008- The Politics of Pictures: Zwischen Wahrheiten und Lügen


Dozenten > PROF. LINN SONG
04.11.2007


Das kritisches Denken (und Sehen), eine Eigenschaft, die jeder Mensch besitzt wird von der Kindheit an durch Erziehung ("Weil ich es sage"), schulische Ausbildung (auswendig lernen) und die "Notwendigkeit" eine eigene Weltordung zu schaffen abgestumpt. Das Ziel dieses Fach ist durch Diskussion, Analyse und Produktion das kritisches Denken und Sehen verschärft in Bewusstsein zu bringen.

Dokumentarische Bilder, Zeichnungen und Filme (sowie unsere physikalische Umwelt selbst) können uns viel „erzählen" („A picture is worth a thousand words"). Sie sind nicht nur eine (Teil)Abbildung der Realität, sondern sind auch in ihrer Zeit eingefrorene Gegenstände, die für Interpretationen offen sind.

Die Fotografie wurde ursprünglich als die Wahrheit gesehen/empfunden und wurde deshalb auch nicht als Kunst akzeptiert/anerkannt - nach dem Motto: „Jeder kann ein Foto machen und es bildet nur das was wir sowieso sehen ab." Deshalb war das Foto als Wahrheit (und ist nach wie vor) wichtig für z.B., den Journalismus als Informationsträger/-zeugnis (aber auch als Sensationsmacher).

Die Zeiten haben sich seit dem ersten Foto aber geändert – nicht nur durch die Arbeit wichtiger Künstler und Fotografen (Liebowitz, Ray, Maplethorpe, Newton, Adams, usw.), die uns gezeigt haben und noch zeigen, dass Fotografie durchaus eine Kunst ist, sondern auch durch z.B., Wissenschaftler und Philosophen, die sich mit dem Sehen / Wahrnehmen auseinandersetzen und zeigen, dass das Bilder / das Sehen nicht immer nur der Wahrheit entspricht, sowie durch Computertechnologien, die es uns ermöglichen Bilder (und dadurch die Wahrheit) schnell und überzeugend zu manipulieren – so dass wir nicht nur „Schwarz oder Weiß" („Wahrheit oder Lüge") sehen, sondern auch „Grau" und „Braun".

In diesem FWPF werden wir uns mit der „Politik des Sehens" in verschiedenen Formen auseinandersetzen. In Bilder stellen wir visuelle Information dar, rahmen sie ein und geben vor wie sie wahrgenommen und verstanden werden sollen. Politisch ist das Thema weil wir manchmal zwangsläufig, manchmal gezielt dem Betrachter Information enthalten. Z.B., ob es sich um Nachrichten, einen Dokumentarfilm oder die Präsentation einer Studienarbeit handelt, überlegt wird was und wie man bestimmte Schwerpunkt legt, was hervorgehoben oder was möglichst unterdrückt werden soll und in welcher Weise (z.B. beim Projekt ob Computer oder Handskizzen?) die Information am Überzeugendsten und an Eindrucksvollstem wirken wird. D.h., manchmal ist das, was nicht gezeigt wird noch wichtiger als das, was wir tatsächlich zu sehen bekommen!

Als Grundlage des Kurses werden kurze Artikel und Texte (manche auf Englisch) gelesen, von Studenten präsentiert (kurze Zusammenfassungen) und anschließend diskutiert. Zusätzlich werden 2 oder 3 Filme gezeigt und diskutiert, die sich mit dem Thema beschäftigen. Als Vehikel für unserer weiteren Diskussionen, Gespräche und Präsentationen werden verschiedene kurze Übungen mit mehreren Medien eingesetzt, nämlich Freihandzeichnung, Fotografie, Photoshop und Film (für den Teil mit Film werden Einführung in Adobe Premiere und Final Cut Express gemacht, so dass ein oder zwei sehr kurze Filme gedreht/geschnitten werden können).